Wichtig! - важно!

Jedes Foto vom Panzerregiment 35 ist ein wichtiges und seltenes Zeitdokument.
Viele Kinder haben ihren Vater nie kennengelernt, haben kein Fotos!
Viele russische Menschen haben kein Foto von ihrem Dorf während des Krieges.
Jedes Foto kann bei der Identifizierung von Ort, Zeit und Personen helfen!
Bevor Sie die Fotos, oder Album verkaufen geben Sie uns wenigstens ein Duplikat!
Scan von Vorderseite und Rückseite, wenn Text vorhanden.
Jeder Besitzer eines Fotos hat die Verantwortung für die Vergangenheit in seinen Händen! Helfen Sie uns, damit wir anderen Menschen helfen können!

Каждая фотография Panzerregiment 35 является важным и редким современным документом.
Многие дети никогда не встречались с отцом, у них нет фотографий!
Во время войны у многих русских людей нет фотографии их деревни.
Любая фотография может помочь определить место, время и людей!
Прежде чем продавать фотографии или альбом, дайте нам хотя бы дубликат!
Сканирование спереди и сзади, если текст существует.
Каждый владелец фотографии несет ответственность за прошлое в своих руках! Помогите нам, чтобы мы могли помочь другим людям!

Gedenkensteine in Bamberg, Kaserne 2017

Gedenkensteine in Bamberg, Kaserne 2017
immer noch unvergessen...
1943: Olt. Georgi, Chef 3. Kp.
zu dem von "Kameraden" denunzierten Benzinfahrer Otto Becker:
"Ich gebe Ihnen einen guten Rat,
DENKEN SIE NICHT ZU LAUT!"

Damit rettete er ihm das Leben...
Dieser Satz hat zu jeder Zeit
eine tiefe Bedeutung...

Die "Bären" - Медведь - медведь танков - Sie gaben sich selbst den Namen: "Die Eberbacher"

Die "Bären" - Медведь - медведь танков - Sie gaben sich selbst den Namen: "Die Eberbacher"
(1943 Lgov) Mit dem Teddy lebt das Regiment weiter und wird seiner historischen Verantwortung gerecht - Das Panzerregiment 35 mit seinen Stabskompanien, 8 Kompanien in 2 Abteilungen, der Ersatzabteilung in Bamberg mit 6 Kompanien

Geburtstagsliste - Panzerregiment 35 1940

Die "Bären" 1943

Die "Bären" 1943
Februar 1943 Llgov - Stabskompanie

Abteilungsbefehlspanzer März 1943

Abteilungsbefehlspanzer März 1943
Lt. Heinz Burkard (⚔ 8. Jan.1944) 1943 auf dem Befehlspanzer bei Kaljakorowsk

Montag, 7. Januar 2019

Rekonstruktion des 16. September 1939 mit internationaler Hilfe - Lt. Teobald Diebitsch - Gefr. Stiefel-Gefr. Siegfried Schönemann und Pz.Schütze Lutz - Hptm. Buz und Gefr. Georg Wilhelm

Meist taucht ein anonymes Bild in EBAY zur Versteigerung auf...

Der Bär am Turm ist dann das Erkennungszeichen, dass es sich um dieses bestimmte Regiment handelt. Oft machen dann russische, polnische, oder andere Historiker mich und uns darauf aufmerksam... Kaufen wollen und sollen wir eigentlich nicht, denn das Regiment lebt noch und verwaltet sein geistiges Eigentum und Erinnerung immer noch nach dem Willen der letzten Veteranen. Sammler können die Bilder doch gerne behalten und glücklich werden, aber das Regiment braucht die Zusammenhänge der einzelnen Fotos, um anderen Menschen und Nachfahren einen historischen Zusammenhang und Grundlage weitergeben zu können!


Für unsere Arbeit natürlich ein Graus und sehr traurig und schlimm, wenn aus dem Zusammenhang gerissene Fotos verkauft werden, ohne dass zumindest ein Scan zur Verfügung gestellt wird!
Es fehlen alle Details für eine weitere Arbeit.


Das Regiment bestand aus zwei Abteilungen und acht Kompanien! Jeder Soldat tauschte Fotos und aus diesem Grunde ist ein Kopierschutz sinnlos!






Wenn über alle Grenzen hinweg zusammengearbeitet wird, dann entstehen beeindruckende Zusammenhänge die für viele menschen sehr wichtig sind!



Meldezettel des Oberst Eberbach zu diesem Tage, zu diesem Ereignis.

























Die Gräber der Panzerbesatzung

























Der Panzer von Leutnant der Reserve Teobald Diebitsch und seiner Besatzung
Wenn noch weitere Dokumente, oder Fotos verfügbar sind, bitte melden!

Mit diesen Fotos verwalten wir auch polnische Geschichte!

Wir wollen und müssen unsere Arbeit mit anderen Menschen teilen, sonst rauben wir nochmals einen wichtigen Teil der Geschichte!

1.September - Hauptmann Buz und Wilhelm




Hauptmann Buz und Gefreiter Georg Wilhelm am 1. September 1939
bei Mokra III gefallen, an der Kapelle bei Mokra begraben.












An der Kapelle bei Mokra III

Freitag, 30. November 2018

Obergefreiter Hans Riedelbauch 7./ Pz.Rgt.35 - 12.8.1941

Obergefreiter Hans Riedelbauch 
7./ Pz.Rgt.35 
 12.8.1941

niemand fragt nach Hans Riedelbauch, obwohl der Namen recht eigentümlich ist.
Doch die Bilder seines Todes sind im Archiv und würden nur verkümmern. Deshalb sei hier an dieser Stelle dem Hans Riedelbauch gedacht. 


































































































































Dienstag, 27. November 2018

späte Suche... Fw. Schlechter, Fw. Rühland, Feldwebel, Unteroffiziere, Panzerschützen, etc. Gefallen, vermisst, untergegangen ...

 Eigentlich wäre es an der Zeit ... die Arbeit am und mit dem Regiment einschlafen zu lassen. Die Veteranen sind fast alle gestorben, jedenfalls die uns bekannten Namen. Was bleibt ist ein Wirbel von aufgetauchten, meist anonymen und aus dem Zusammenhang gerissener Bilder. Namenlose Alben, zerrissen und auf EBAY zum Verkauf angeboten. Einzig der Bär auf dem Turm und die Nummern lassen vage Rückschlüsse zu. Bilder verweben sich auf unterschiedlichste Weise und legen immer neue Fährten und Spuren...
Konkrete Anfragen von Familienmitgliedern fordern jedoch immer wieder auf, die Arbeit nochmals aufzunehmen und zu versuchen, was noch möglich ist. Selten kann man helfen, denn ein komplettes Archiv fehlt. Panzerbesatzungen haben gewechselt, die einzelnen Kompanien tauschten aus, Abteilungen wechselten ihre Bezeichnung. Lebensläufe sind kompliziert und nur mühsam und bruchstückhaft zu rekonstruieren. Jeder kleinste Hinweis wird dann dankend von den Beteiligten aufgenommen und hat eine wichtige Funktion des Andenkens, der Erinnerung. Manchmal funktioniert es aber auf geradezu wundersame Weise! Anhand der Recherche zu Hans-Peter Schlechter dokumentiere ich den Verlauf der ganzen Suche und Arbeit:

Lt. Fritz Schneider berichtete mir einmal, dass er kurz zuvor den Uffz. Schlechter zum Feldwebel beförderte, dieser dann jedoch mit der Goya unterging... Jahre zuvor war mir bereits der Name Schlechter bekannt, denn das war der Soldat im Panzer von Lt. Rudi Hautmann 1941 - Unser alter Veteran Heinz Goller aus Nürnberg war auch im Panzer und so kannte ich fast die ganze Besatzung, zumindest vom Namen nach.

Jetzt meldete sich überraschend am Sonntag den 25. November 2018 Enkel Michael Schlechter!

Sehr geehrter Herr Zeis,
im Nachlass meiner Großmutter Mario Lohmann, geb. Weil, verw. Schlechter habe ich Fotos meines Großvaters Hans-Peter Schlechter, Berufssoldat und Unteroffzier, geb. aus Heidelberg Handschusheim und zuletzt wohnhaft in der Panzerkaserne Bamberg gefunden. Neben dem Porträt zeigt es ihn unter anderem im Turm eines Panzers mit der Silhouette eines Bären. Die Turmnummer (221) müsste auf die 2. Kompanie, 2. Zug, 1. Panzer hinweisen.
Aus Erzählungen meiner Großmutter ist mir lediglich bekannt, dass mein Großvater am 17. April 1945 mit der Goya auf der Überfahrt von Swinemünde nach Hela untergegangen ist.
Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir die Vermutung der Zugehörigkeit zum Panzerregiment 35 kurz bestätigen könnten, bzw. falls diese Vermutung nicht zutrifft, mir weitere Hinweise geben können, damit ich den Lebenslauf meines Großvaters weiter nachforschen kann. Falls die Bilder die Zugehörigkeit bestätigen, können Sie diese gerne in Ihr Archiv übertragen. Ich kann diese auch nochmals in besserer Qualität scannen. Die Rückseite gibt leider keinen weiteren Aufschluss.-- 

mit den besten Grüßen
Michael Schlechter 

Jetzt begann die Suche natürlich zuerst beim altbekannten Bild, wo Richtschütze das erste mal bei uns in Erscheinung trat. Es war 1941 im Panzer von Lt. Rudi Hautmann. Dieser starb kurze Zeit später, der Ladeschütze jedoch, Heinz Goller war ständiger Besucher der letzten Reste der Panzerkameradschaft Nürnberg und konnte das Bild benennen, das bis zuletzt über dem Bette von Dr. Rudi Hautmann hing.

28.11.2018 - Hallo Herr Zeis,
in den weiteren Unterlagen meiner Großmutter habe ich die Kopie eines Briefes von FW Joachim Hannemann gefunden, der am 04.09.1945 aus dem Hotel zur Post (Schalksmühle/Westf.) vom Verbleib meines Großvaters berichtet:
"Sehr geehrte Frau Schlechter!
Für Ihre Karte, die ich heute erhielt, danke ich Ihnen vielmals. - Über die Auskunft, die ich Ihnen im folgendem gebe, seien Sie bitte nicht enttäuscht. Mit Hans, den ich schon sehr lange gute kenne, war ich bis 16.04.45 zusammen. Wir waren, wie sie vielleicht schon von Herrn Luther (SOS im Panzersturm) gehört haben, zuletzt bei und in Danzig im Einsatz. Von dort zogen wir uns etwas zurück über Bohnsack Schiewenhorst in den Wald bei Steegen und Stuthoff auf der frischen Nehrung. Die Abteilung wurde dann aufgelöst und wurde infanteristisch eingesetzt. Ein Teil (50 gute Panzerkommandanten u. -fahrer) blieben auf der Nehrung und sollten zu einer Neuaufstellung ins Reich kommen. Bei diesen 50 Mann war auch Hans. 14 Tage lagen wir in dem Walde und warteten auf endgültigen Bescheid von Berlin und auf unsere Abberufung. Am 15.4. war es endlich so weit. Wir wurden von Schievenhost/Weichselmündung auf kleinen Fährboten nach Hela gebracht und dort auf den 8.000 to-Transporter "Goja" übernommen. Am 16.4.45 um 19:00 Uhr fuhr der Geleitzug - 10 Schiffe - von Hela ab. Die "Goja" war mit 7000 Mann - teil Flüchtlinge, teils Verwundete, teils Dienstreisende - sehr stark besetzt. Wir Panzermänner hatten einen Raum ganz unten im Schiff bekommen. Nachdem wir bereits 5 Stunden auf See waren, wurde das Schiff um 23.55 plötzlich durch 2 sehr starke Detonationen heftig erschüttert. Das Licht ging sofort aus, die starken Eisenträger zerbarsten und das Schiff sank sehr schnell. Es hatte von russ. U-Boot zwei Torpedotreffer bekommen. Da das Schiff binnen 3 Minuten völlig gesunken war, konnten nur Wenige gerettet werden - etwa 200 Mann. Ich selbst war im Moment der Torpedierung gerade an Deck und konnte sofort ins Wasser springen und konnte nach 2 Stunden von einem deutschen Kampfboot gerettet werden. Dieses Boot nahm 104 Schiffbrüchige an Bord, ein anderes Boot rettete 54 Mann. Am anderen Morgen konnten durch Schnellboote weitere 38 Mann gerettet werden. Von Hans habe ich seit der Torpedierung leider nichts mehr gehört. Der größte Teil der Schiffbrüchigen wurde nach Kopenhagen gebracht. Die zuletzt geretteten 38 Mann habe ich selbst nicht mehr gesehen. Ich weiß nicht, ob die Schnellboote vielleicht einen deutschen Hafen angelaufen sind. Ich hörte nur durch Funkspruch, den ein deutsches Kriegsschiff aufgefangen hatte, dass weitere 38 Mann der "Goja" gerettet wurden.
Ich bedaure, dass ich Ihnen keinen günstigeren Bescheid und keine positive Auskunft geben kann. Sollten Sie noch weiter Fragen haben, so bin ich gerne bereit, Ihnen weitere Auskunft zu geben.
Mit den besten Grüßen an Sie verbleibe ich - Joachim Hannemann"

Karte von Herbert Wehner, Goya Überlebender, der nach der Grenzöffnung nochmals mit anderen Kameraden auf der Nehrung war und Gräber suchte. Besonders in Gut Kronenhof, wo ein Hauptverbandsplatz war und Gen. Betzel bestattet wurde. Er hat alle Orte auf seinen Karten rot unterstrichen, wo das Regiment im Einsatz war 

Heinz Goller, damals Ladeschütze im Lt. Hautmann Panzer und später geachteter Feldwebel wurde sehr alt und hätte dem Sohn und Enkelsohn sicher viel von den damaligen Erlebnissen und Kämpfen berichten können. Stary Bychow und die schweren Kämpfe an der Stalinlinie waren sehr dramatisch und traumatisch für die jungen Soldaten. 
Heinz Goller berichtete, dass der ganze Panzer weiss von Kalk war. Dieser fiel durch den Artilleriebeschuss vom Putz ab. Dazu gibt es einen russischen Augenzeugenbericht, der auf der anderen Seite des Dnjepr in einer Artilleriestellung feuerte. Ein deutscher Panzer feuerte aus einem Gebäude heraus über den Dnjepr hinüber auf die russische Verteidigungsstellung. (Nachzulesen in der Dokumentation 21 Tage im August) 
Auszug: Auf dem hohen Ufer des Dnjeprs war eine Kirche. Bevor die Deutschen kamen, war da ein Gefängnis. Ich sah, wie  die Wärter entlassen wurden, es war 1,5-2 Stunden bevor die Deutschen Bychow erobert haben. Die Deutschen brachten  einen Panzer in die Kirche und feuerten aus geöffneten Fenster auf unsere Positionen. Es gab keinen Befehl, und ich beschloss, das Feuer auf den Tank zu öffnen. Aber aus dem Fenster waren nur noch ein Turm und Panzer-Kanone zu sehen. Die Geschosse gingen als Abpraller weg, und wir eröffneten deshalb das Feuer mit Brandgranaten, weil die Kirche hatte verschiedene Holz-Erweiterungen (Nebengebäude). Nach zwei oder drei Schüssen fing alles an zu brennen und der Panzer hat aufgehört zu feuern ...


Lt. Rudi Hautmann





 Lt. Rudi Hautmann, der Panzerkommandant. 1942 nach Afrika abkommandiert.













Der Enkel von Hans-Peter Schlechter fügte noch ein weiteres Bild hinzu, das mich wieder vor neue Rätsel stellte. Es zeigte den Uffz. Schlechter in einer Position, die ich gut zu kennen glaubte. Alles schien bereits mir bekannt zu sein.
Beim näheren hinsehen, sind aber die Unterschiede zu bemerken.

Nachlass Hans-Peter Schlechter




















Ich begann im vorhandenen Archiv (Post. "Feldwebel Rühland meldet sich" zu suchen und fand das mir bekannte Bild:
Nachlass Fw. August Rühland




















Gleicher Panzer, gleiche Pose, aber der Kommandant ist Feldwebel August Rühland! Es muss also so sein, dass für die Heimat spezielle Fotos angefertigt wurden, wo auch Teile der Besatzung als "Kommandanten" posieren konnten. Solche Bilder wurden für die Familie und auch für die Freundin gebraucht. Dazu getauscht, wie die vielen öfters vorkommenden Fotos in verschiedenen Alben zeigen.
Hans-Peter Schlechter war also auch im Panzer von August Rühland....
August Rühland war wiederum Teil der Panzerbesatzung vom legendären PiKra (Pionierkrause) Helmut Krause. 
Widmung für August Rühland: "Ihr alter Zugführer Helmut Krause"

Im Nachlass von August Rühland tauchen wieder unbekannte Fotos mit Portraitbildern von Soldaten auf, welche in ganz anderen Alben ebenfalls präsent sind:


 Zunächst noch ohne Namen ist der Soldat im Achatz Archiv zu finden!

Julius Adam aus dem Nachlass von A.Rühland




















Julius Adam ist gefunden und leider noch keine passende Geschichte dazu. Nur so viel vom Sohn von Edi Achatz: Mein Vater kam sofort zu den Panzern, weil er einen Führerschein hatte, sein Kumpel Adam aus Selb, erst später und über Umwegen.
Was Adam im Nachlass von August Rühland machte bleibt rätselhaft. Nur die wenigsten Bilder sind beschriftet, was die Recherche sehr erschwert, oder unmöglich macht!

Bild aus dem Nachlass von August Rühland

Hochzeitsfoto aus dem Archiv Edi Achatz

Die Geschichte geht vielleicht weiter, denn alles ist nur ein Puzzleteil in der Historie des Regimentes... Jedes Albumbild wirft neue Fragen, neue Recherchen auf, ist im Gesamtvolumen nicht zu bewältigen, deshalb helfen wir Familien bei der Suche nach Angehörigen, solange es möglich ist, danach deckt die Zeit den Mantel des Vergessens darüber. Neue Kriege, neue Schicksale werden dann alles verdrängen...

Alles vom Regiment hat sich verwoben - im Leben und im Tode -  Die Panzerbesatzungen haben gewechselt, haben sich ergänzt. So wird alles zu einer großen Familie, die sich gemeinsam erinnert, gemeinsam trauert und gedenkt - mit Bildern und Texten!

Mittwoch, 12. September 2018

Der letzte und jüngste Offizier des Regimentes ist tot...

Heinrich Schnappauf
Leutnant 1./5./8. Kompanie Panzerregiment 35

Eliteschüler und gewünschter Adjudant von Feldmarschall Schörner

in Bearbeitung...

Lt. Schnappaufs Begegung mit Feldmarschall Schörner.

"Wo kommen Sie her?"
"Aus Penzberg Herr Feldmarschall!"

 "Sie können mit mir fliegen!"
Der Flug nach Libau im Fieseler Storch...

Die ganze Uniform vollgekotzt im Flieger.
Lt. Schnappauf sollte Adjudant werden. Er lehnte ab.

"Ich fühle mich der Aufgabe nicht gewachsen!
Ich möchte wieder zu meinem Regiment zurück!"

"In Ordnung, aber ich will von Ihnen jeden Monat einen Bericht!"

Beim Regiment:
Der Kommandeur: "Den können Sie schreiben, aber zuvor wollen wir ihn lesen!"

Freitag, 7. September 2018

Erich Hammon Otl. ...die Freude wird nur kurz sein, es ist mein letzter Brief...


Oberstleutnant Erich Hammon
im Hofe des Zuchthauses von Rendsburg
eine Stunde vor der Erschießung


Abschrift

Rendsburg, den 30.6.1945

Meine liebe gute Mama!


Die Freude über einen Brief von mir wird nur kurz sein,
es ist mein letzter!

Am 9.5.1945 bin ich als einer der letzten von der Halbinsel Hela abgesprungen und habe, nach einer abenteuerlichen Fahrt auf einem kleinen Fischkutter der Kriegsmarine, glücklich Flensburg erreicht, wo das OKH saß.
Mein Regiment, das ich nur teilweise herausbrachte, habe ich unterwegs verloren, so dass ich mutterseelenallein war. Auf dem Weg zu General Scheffler, dem General der Artillerie beim OKH, den ich von früher her kannte, und den ich um eine neue Verwendung bitten wollte, wurde ich von einer deutschen Frau um Hilfe gebeten.

Ein russischer Kriegsgefangener war in die Wohnung einer 80-jährigen Frau eingebrochen und hatte ihr 2 goldene Uhren geraubt. Ich stellte den Täter, nahm ihn fest und erschoss ihn, als er auf dem Wege zu einem deutschen Marineposten flüchten wollte.

Nach deutschem Recht habe ich recht gehandelt und war geradezu zu meiner Handlungsweise verpflichtet. Die Engländer, deren Gesetze ich noch nicht kannte - ich war erst am Nachmittag auf dem deutschen Territorium angekommen -, stellten sich auf einen anderen Standpunkt und verurteilten mich am 29.5.1945 in öffentlicher Verhandlung im Schwurgerichtssaal des Landgerichtsgefängnisses in Flensburg zum Tode. Das Urteil wird heute Morgen in 4 Stunden (um 8.00 Uhr) in Rendsburg, wo ich seit dem 1.6.1945 im Zuchthaus als Untersuchungsgefangener sitze, nach Verwerfung der Revision durch General Montgomery durch Erschießen vollstreckt.

In Zelle 103 - meine letzte Regiments Nummer - hatte ich nun 4 Wochen Zeit, mein Leben zu überschlagen.

Meine Gedanken gehörten neben unserer unglücklichen Heimat und meiner Familie in besonders herzlicher Liebe meiner elterlichen Familie, Dir, meiner lieben Mutter! Wie ich zu Dir meine liebe Mama, unserem unvergesslichen Vater und meinem vorausgegangenen Bruder gestanden bin, weißt Du. Es war mir wohl nicht gegeben, das immer mit Worten zu zeigen, aber dein teures Mutterherz hat immer gewusst, wie es in meinem Innern ausgesehen hat. Was ich geworden bin, habe ich ausschließlich Eurer elterlichen Erziehung und dem leuchtenden Vorbild Eures echten deutschen, verinnerlichten Familienlebens zu verdanken. Glücklich der Sohn, der getragen von der tiefen Liebe von Vater und Mutter in den letzten Stunden seines Lebens das sagen kann. Ich habe in Dir eine Mutter besessen, die einmalig - auch von anderen anerkannt - mir alles an Herzensgüte, Herzenstakt und Erziehung gegeben hat, um anständig durchs Leben zu kommen. Deine Liebe hat mich immer geführt und ich habe sie ehrfurchtsvoll in Empfang genommen. Dafür, meine liebe Mama, meinen tiefen und heißen Dank! Du magst nun wohl sagen, Du hast, nachdem Du nun alle 3 Söhne verloren hast, umsonst gelebt.

Nein, ohne Dein Vorbild und Deine Erziehung wäre ich nicht das geworden, was ich meiner Familie sein konnte. Ich sterbe in der Gewissheit, dass ich anständig und treu durch das Leben gegangen bin, das wird auch Dein und mein Gott anerkennen.

Ich gehe in ganz kurzer Zeit ganz ruhig und gefasst vor die Gewehre der englischen Soldaten. Ich werde so sterben wie ich gelebt habe, tapfer und treu. Sicher, auch ich sterbe für unser unsterbliches Deutschland. Wohl zu Unrecht verurteilt, aber für meine Kinder als Vorbild. Sie werden in dem so schweren Leben nicht von der rechten Bahn abkommen können.

Ich habe ein glückliches Leben hinter mir. Die Gnade des Schicksals hat mir ein glückliches, unvergleichliches Elternhaus, eine Frau, die ich mehr als mein Leben geliebt habe, und gute Kinder geschenkt. Außerdem hatte ich eine tiefe Befriedigung in meinem stolzen Beruf gehabt. Ich habe immer Menschen führen dürfen, die mir Liebe und Verehrung gezeigt haben. Meine liebe Mama, wie viele Menschen gibt es, die so viel Glück und Gnade erlebt haben. Sieh, ich sterbe in der Blüte der Jahre ganz leicht, ja sogar stolz. Ihr, die ich zurücklassen muss, habt es in dieser so unglücklichen Zeit so viel schwerer als ich. Meine liebe Mama, Du warst von jeher in Deinem Gottvertrauen stark, Du wirst Deinen Sohn genau so stolz von dieser Erde ziehen lassen, wie ich gehe. Wie leicht ist es, den Germanentod zu sterben. Glaube mir, ich hätte ein Leben als Unfreier nach all den harten Kriegsjahren nur schwer ertragen.

Eine Sorge bedrückt mich natürlich tief, was wird aus meiner geliebten Familie? Meine liebe Mama, Du musst weiterleben und meinem armen „Peterle" weiterhelfen. Ich lege es Dir wärmstens ans Herz. Schenke ihr Deine Liebe weiterhin, sie hat Deinen Sohn durch ihre tiefe Liebe zum glücklichsten Menschen gemacht. Liebe ist das Höchste, was wir auf dieser Erde erwerben können! Ich habe sie von meiner Frau in der denkbarsten verinnerlichten Form genossen. Sie erst hat mich zu einem annähernd ausgeglichenen Menschen gemacht. Wie habe ich sie geliebt!

Bitte sorge dafür, dass Onkel Alfred, Onkel Franz oder die Stadt Bayreuth für meine Kinder sorgen, das habe ich verdient. Alles andere an Kleinigkeiten erfährst Du aus dem Brief an „Peterle". Die Stunden schwinden dahin.

Lass Dir noch einmal, meine liebe Mama, meine unaussprechliche Dankbarkeit und meine tiefe Sohnesliebe zum Ausdruck bringen. Wenn es ein Jenseits gibt, dann werde ich bald mit meinem geliebten Vater, dessen Tod ich niemals habe verwinden können, und meinem lieben Bruder vereint sein.

Du aber musst leben für meine Frau und meine Kinder. So muss ich Dir nun wieder das Mutterlos aufbürden, nämlich die Pflicht im Leben, das Schwerste was es gibt zu tragen.

Nochmals von Herzen tausend Dank und auf Wiedersehen!

Ich sterbe in der unverrückbaren Gewissheit, dass unsere Opfer für Deutschland nicht umsonst gewesen sind, denn Deutschland ist ewig.

Es lebe unsere geliebte Heimat, für die ich im Gedenken an beide Familien bis zuletzt 5 1/2 Jahre gekämpft habe. Gott schenke unserer Heimat bald die Freiheit.

Es wird Dich wohl beruhigen, meine liebe Mama, dass ich wohl nicht mit der Kirche, aber mit meinem Herrgott ins Reine gekommen bin. Er wird mich als deutschen Soldaten, wenn ich stolz und aufrecht vor ihn hintrete, annehmen, denn ich habe für eine gerechte Sache gekämpft.

In inniger Liebe grüße und küsse ich Dich, meine liebe Mama, zum letzten Mal als Dein immer treuer und dankbarer Sohn

Erich

Lebe wohl! Meine geliebte Mutter und trage stolz Dein Los. Auch Du hast in der Liebe ein glückliches, wenn auch schweres Leben hinter und vor Dir.


(Anmerkung: Die Mutter hat diesen Brief nicht mehr erholten, sie ist bei einem Bombenangriff 1945 in der Wohnung verbrannt)




Gericht beim Wehrmachtkommandanten im                      Flensburg, den
Bereiche Nord - Schleswig-Holstein                         15.7.1945
und im Kreise Flensburg
- Der Kreisrichter –

An den
Armeerichter
beim Armeestab Müller

Hutzfeld

Bezug: Anfrage vom 10.7.1945
Betr.: Oberstleutnant Hammon

Bericht

Durch Nachfrage beim Verteidiger des Oberstleutnants Hammon, Marineoberstabsrichter Franke, habe ich über den Fall Hammon Folgendes in Erfahrung gebracht:
Oberstleutnant Erich Hammon, Ritterkreuzträger, zuletzt Kdr. Pz.Art.Rgt. 103 (4. Pz.Div.), wurde am 29.5.1945 durch das Gericht der Militärregierung in Flensburg (General Court),

a) wegen unbefugten Waffengebrauchs,
b) wegen Tötung eines Angehörigen der alliierten Streitkräfte,

zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 30.6.1945 um 8.00 Uhr in der Haftanstalt Rendsburg durch Erschießen vollstreckt, nachdem die eingelegte Revision und das eingereichte Gnadengesuch durch Feldmarschall Montgomery verworfen worden waren.
Oberstleutnant Hammon hatte im Hafengelände Flensburg einen ehemaligen russischen Kriegsgefangenen, der des Diebstahls an einer Uhr verdächtigt war und anscheinend flüchten wollte, nachdem er von Oberstleutnant Hammon auf Ansuchen der Frau gestellt worden war, mit dem Gewehr eines in der Nähe stehenden Wachpostens der deutschen Ordnungstruppe aus etwa 10 Schritt Entfernung niedergeschossen und dabei tödlich getroffen.
Oberstleutnant Hammon war zur Zeit des Vorfalls, erst etwa 2 Tage zuvor aus Hela kommend, in Flensburg angekommen und hatte sich auf dem Wege zum OKW in Mürwick zur Stadt befunden.
Die Bestätigung des Urteils und die Ablehnung des Gnadengesuches wurde Oberstleutnant Hammon am 28.6.1945 um 17.00 Uhr durch den englischen Gefängnisdirektor, einen Major, mündlich bekannt gegeben. Eine schriftliche Bekanntgabe - auch des Urteils selbst - erfolgte nicht.
Vom Zeitpunkt der Bekanntgabe der Bestätigung und Anordnung der Vollstreckung an, waren zwei englische Offiziere und der deutsche Verteidiger ständig bei dem Verurteilten.
Der Verteidiger teilte mit, dass dem Verurteilten durch den englischen Gefängnis-Direktor gestattet wurde, dass er von der Bekanntgabe an, alle seine Orden und Ehrenzeichen wieder hat anlegen dürfen, dass ihm von den englischen Offizieren freiwillig Likör, Wein und gute Zigarren in reichlicher Menge zur Verfügung gestellt wurden und er essen konnte, was er wollte. Ferner wurde ihm ein Plattenspieler mit guten Platten zur Verfügung gestellt, so dass er viel klassische Musik (Beethoven und Wagner) gehört habe. Auch hat er an die Angehörigen und Bekannten schreiben dürfen.
Die Exekution wurde im Gefängnishof durch ein englisches Peleton in Stärke von 8 Mann durchgeführt.
Es wurde gestattet, dass der Verurteilte die Augen unverbunden und die Hände ungefesselt behielt. So fiel er mit dem Deutschen Gruß und einem „Heil Deutschland!".
Er hatte 8 Volltreffer, davon 2 Kopf und 2 Brustschüsse und war sofort tot. Der Verteidiger war zugegen.
Die Ehefrau konnte noch nicht benachrichtigt werden.

Vorschau Art.Rgt.103

Anmerkung: Bilder von Erich Hammon werden gesucht.
Der Blogeintrag ist in Bearbeitung.
Es war im Sinne unserer Veteranen und eine Bitte, Erich Hammon nicht zu vergessen.
Ein Photo, kurz vor der Hinrichtung, ist nur in sehr schlechtem Zustand als Kopie erhalten.
Das Gefängnis stand bis in die 60er Jahre

Montag, 16. Juli 2018

Unser letzter Oberleutnant und Kompaniechef ist gestorben... Olt. Werner Baeck

Ein brillanter Geist mit riesigem Potential...









Eine große Liebe vollendet sich:
"Jeden Tag denke ich an meine geliebte Frau
und hoffe, wieder mit ihr vereint zu sein!"
Im Lazarett gepflegt und aus Russland
kam über die Feldvermittlung
sein Heiratsantrag...






7.6.2018 - Werner Baeck :
Ja, bin wieder Zuhause. Man meinte, wer krank ist, gehört ins Krankenhaus!! Da war ich machtlos. Was dann folgte, war abenteuerlich, bis sich mir die Chance bot,  aus diesem System auszubrechen und wieder Herr meiner selbst zu werden. Und das alles unter Schmerzen ohne Gehhilfe, eigentlich bettlägerig! (Bitte Kopie an Stefanie.) Ihr werdet verstehen, wie froh ich bin, wieder in meiner Bude zu sein!

11.7.2018 - Letzte Whattsapp von Werner Baeck am : Überlegung abbrechen. Klären wirklich.      B  O9mündlich! Schwebt mir anders vor. Bis baldigute! Liebe,i 7 iu8b


16.7.2018 - Oliver Lörscher Trier: 

ach je..., Werner Baeck..., so ein großartiger MENSCH.

Ich bin wirklich froh, so jemanden kennengelernt zu haben, ganz ehrlich, und Du kannst es ja auch nachvollziehen. Ende Mai hatte er mir noch eine Email geschickt.
Gestern gestorben, hat nicht ganz die 99 Jahre geschafft, aber ein stolzes Alter!


16.7.2018 - Falko Gitter Schweden:

Hallo Hans Juergen, gerade habe den Beitrag bei Google gelesen. Meine aufrichtiges Beileid fuer seine Familie und fuer Alle die ihn auf seiner Lebensreise begleiteten. Schade 😪



Gute Reise! 



Mittwoch, 2. Mai 2018

Zürich, 29.12.1933 - Lesen! -

Walter Angst an Christian Krause
Zürich, 29.12.33

Sehr geehrter Herr Krause!
Schade, dass Sie Ihren Brief nicht einige Tage früher an mich schickten. Sie hätten
dann nicht so lange auf eine Antwort warten müssen. Ihr Schreiben kam nämlich
gerade in meine Hände, als ich von einer Reise nach Leipzig-Berlin nach Hause
zurückkehrte. Ich hatte einen Transport deutscher Kinder, die zu einem
achtwöchigen Aufenthalt in die Schweiz reisten, in Berlin abgeholt und stattete bei
der Hinreise Leipzig einen kurzen halbtägigen Besuch ab. Sicherlich hätte sich bei
dieser Gelegenheit eine Zusammenkunft einrichten lassen.
Sie sehen schon aus meiner Einleitung, dass ich mit Deutschland und deutschen
Freunden immer noch rege Beziehungen unterhalte. Ich war im vergangenen
Sommer schon zum vierten Male in Süderoog und habe es schöner denn je
getroffen. Dies Jahr waren auch zwei deutsche Knaben je acht Wochen in meinem
neuerbauten Heim zu Gaste. Der eine Junge, den ich bei meiner letzten Reise selbst
abholte, stammt aus der Gegend von Halle und erinnerte mich durch seine Mundart
sofort sehr lebhaft an Sie und Ihre Süderooger Gefährten aus dem Sachsenlande.

Sie fragen mich um meine Meinung über das neue Deutschland. Ich setze mich zwar
der Gefahr aus, von Ihnen als minderwertig eingeschätzt zu werden, denn Sie
schreiben, dass nur minderwertige Elemente fremder Völker anderer Meinung als Sie
sein könnten. Aber ich wage es trotzdem, Ihnen in einigen Punkten meine Meinung
kund zu tun.
Über den Nationalsozialismus will ich mich nur ganz knapp äußern. Es wäre eine
Kühnheit, nach der kurzen Zeit diese gewaltige Bewegung beurteilen zu wollen und
darüber voreilig zu schwatzen. Vorerst nehme ich die Rolle eines stillen Beobachters
ein. Irgend eine umfassende Kritik könnte höchsten Ihnen und mir
Unannehmlichkeiten bringen und jeden Einwand könnten Sie mit der Einrede
entkräften, dass ich eben nicht in den Verhältnissen drinnen stecke.
Wir kennen ja die deutschen Verhältnisse nur aus den wenigen Mitteilungen unserer
Tageszeitungen und aus den Lob-Artikeln der deutschen Blätter. Wie objektiv die
Presse Verhältnisse schildern kann, habe ich zur Genüge in der Kriegszeit erfahren
und bin für mein ganzes Leben vom Glauben geheilt, dass alles so sei, wie die
Druckerschwärze es schildert. Damals konnten wir aus den Meldungen der
feindlichen Agenturen tagtäglich den Widerspruch der Berichte erkennen und
ersehen, dass die Zeitungen in Kriegs- und Revolutionszeiten eben der Vermittlung
wahrer Tatsachen nicht mehr dienen, sondern in erster Linie ihre Leser suggestiv
bearbeiten und sie für irgendetwas zu begeistern haben.

Mein Urteil wird also noch auf sich warten lassen. Ich richte mich nicht nach Worten,
sondern nach Taten. Entscheidend für mein Urteil ist, wie das neue Deutschland mit
dem Elend der Arbeitslosigkeit fertig wird!
Nur zu einer Einzelfrage, die ich etwas näher zu kennen glaube, will ich mich äußern.
Ich kann Ihre Einstellung zu den Juden nicht ganz verstehen. Den Judenhass, der
sich auch in Ihrem Briefe zeigt, kann ich nicht mit christlichem Glauben in Einklang
bringen. Ihr Deutschen müsst doch ein eigenartiges Christentum haben, wenn Ihr die
Gebote der Nächstenliebe und das „Liebet Eure Feinde, segnet, die Euch fluchen,
auf dass Ihr Kinder Eures Vaters seid“ derart missachtet. Diese beiden Gebote habe
ich immer für die Perlen des Christentums angesehen. Ich bin kein Kirchengänger
und zweifle an vielem, was die Religion anbetrifft, aber ich zähle mich doch noch zu
den Christen, weil ich mich bestrebe, Nächstenliebe zu üben. Mir scheint, dass der
Jude nun als Sündenbock für all das Üble herhalten muss. Sie schreiben von den
Warenhäusern, die den Mittelstand vernichten. Haben denn die Fabriken, deren
Besitzer Christen sind, nicht auch den gewerblichen Mittelstand vernichtet? Die
Warenhäuser spielen doch im Handel dieselbe Rolle wie die Fabriken in der
Industrie.
Mir scheint auch, dass mit der Unterdrückung der Juden die Hauptschuldigen am
deutschen Volke am wenigsten getroffen werden, denn diese Helden haben ihr Geld
schon längst über die Grenze gebracht und fühlen sich in ausländischen Kurorten
sehr wohl. Aber diejenigen Juden, die sich schlecht und recht, wie ihre arischen
Mitbürger, durchs Leben gekämpft haben und auch keine Ersparnisse zur Seite
legen konnten, werden nun von der ganzen Härte der neuen Gesetze bedrückt.
Übrigens seien wir doch so ehrlich: Auch unter den Christen gibt es gemeine
selbstsüchtige Leute genug!!
Ich will Ihnen nicht verhehlen, dass uns Schweizer natürlich die Umwälzung in
Deutschland ziemlich schmerzlich berührt hat und zwar aus einem psychologischen
Grund. Sie können es einem Demokraten aus Überzeugung nicht verargen, dass er
sich dem deutschen Demokraten näher fühlt als dem deutschen Nationalsozialisten.
Vielleicht haben Sie es schon erlebt, dass aus Ihrem Bekanntenkreis jemand vom
Protestantismus zum Katholizismus übergetreten ist. Sicher hat Ihnen dieser
Gesinnungswechsel bittern Schmerz ausgelöst, auch wenn diese Umstellung zum
Vorteil des Beteiligten geschah. Sie werden sich sicher nachher dem Betreffenden
ferner gefühlt haben. Ähnliche Gefühle hat in mir der politische Wechsel in
Deutschland meinen deutschen Freunden gegenüber bewirkt.
Nun zur zweiten Frage, die unser eigenes Haus betrifft: „Sind die Schweizer noch
Deutsche oder sind sie nur! Schweizer, die sich in ihren vier Wänden wohl fühlen und
nicht darüber hinaus wollen?“
Da muss ich Ihnen denn schon mit dem Brustton tiefster Überzeugung sagen, dass
wir in erster Linie Schweizer sind. Wir fühlen uns als ein Volk, das sich nicht trennen
lässt. Wir Deutsch-Schweizer haben uns in Not und Gefahr mit unsern welschen
Brüdern französischer und italienischer Zunge zusammengefunden und keine
wissenschaftliche Rassenkunde wird uns von ihnen entfernen können. Da redet nicht
die Wissenschaft, da spricht das Herz mit seiner allgewaltigen Sprache. Vor zwei
Jahren noch wusste man wenig vom Rassenfimmel! Man halte dieses trennende Gift
von uns fern! Wir wollen gerne ein minderwertiges Gemisch verschiedenen Blutes
sein, aber frei und einig miteinander leben. Wir brauchen diese ins Kraut
geschossenen Theorien nicht um uns zu finden, wir sind schon lange kräftig
beisammen und haben unsere Verbindung in harten Tagen bewährt!
Wir freuen uns, Deutschland zu unsern Freunden zu zählen!
Aber Freundschaft ist noch keine Heirat!
Und jeder Versuch Deutschlands, uns von unsern welschen Volksgenossen entfernen zu wollen,
käme mir ebenso niederträchtig vor, wie das
Bestreben eines Menschen, in die Ehe seines Freundes Zwietracht zu säen, um die
Scheidung herbeizuführen!
Sie müssen mich entschuldigen, wenn ich etwas warm werde und kräftiger als in der
Einleitung auf die Tasten hämmere, aber hier rede ich von meinen höchsten Werten
und Idealen, und das greift ans Herz.
Bei uns denkt kein Mensch je an Anschluss; trotzdem bei uns die Gedanken und
Worte noch ganz frei sind, wird es niemandem einfallen, je ein Wort darüber zu
verlieren!
Selbstverständlich ist in den letzten Zeiten durch die Vorgänge in Ihrem Lande
bedingt sehr viel von der Staatsform gesprochen worden. Doch wie sich die
Vorgänge auch gestalten, wir Schweizer bleiben der Demokratie treu. Wir sind mit
dieser Form der Regierung gut gefahren. Unser Parlamentarismus hat nie versagt
wie der deutsche. Unsere Landesväter und Volksvertreter haben uns vor Krieg und
Hunger zu bewahren gewusst, und es wäre von uns in höchstem Maße töricht,
wollten wir erprobte Einrichtungen über Bord werfen! Unsere Demokratie ist nicht erst
vierzehn, sondern schon über hundert Jahre alt, erprobt und gefestigt. Doch was sich
bei uns bewährt hat, konnte sich bei Ihnen in allerdings merklich anderer Form nicht
durchsetzen und führte zum Zerfall!
Gewiss gibt es auch bei uns Leute, die mit der Regierung unzufrieden sind, aber
Unzufriedene wird es immer geben! Diese Sorte, die eben nur im
Konzentrationslager zu bessern wäre, gründet bei uns neue Parteien. Wir lassen sie
ruhig gewähren und reden. Diese Leute haben keine hoch gesteckten Ziele, sie
warten nur darauf, Führer spielen zu können, endlose Streitereien und Zwiste
beweisen zur Genüge, welche Erwartungen diese Leute hegen!
Wenn Ihre Zeitungen das Gebaren dieser Leute aufbauschen und den Anschein
erwecken, als würden wir Schweizer nur darauf warten, gleichgeschaltet zu werden,
so sind solche Berichte den Gräuelnachrichten schlimmster ausländischer Zeitungen
gleichzusetzen!
Ich fasse zusammen: Ich hoffe sehnlichst, dass Ihr deutsches Volk bessern Zeiten
entgegengeht, über den Weg zu seinem Glück muss es sich selbst am besten
auskennen. Wir Schweizer haben allen Grund, mit unseren Einrichtungen zufrieden
zu sein und sie zu unserm Wohlergehen zu verteidigen. Wir wollen mit dem
deutschen Volke in Freundschaft leben und in friedlicher Zusammenarbeit uns
gegenseitig fördern.
Achte jeden Mannes Vaterland, das deinige aber liebe.

Mit frohen Neujahrsgrüßen
Walter Angst
(Leider kein Bild von Walter Angst)

Christian Krause
Christian Krause hatte als Schüler Anfang der 1930er Jahre zwei Mal – gemeinsam
mit seinem Bruder Helmut 
(später "PiKra" Olt. Krause Chef 3. Kp.Pz.Rgt. 35) 
– an einem internationalen Ferienlager auf der Hallig
Süderoog bei Pellworm (Nordsee) teilgenommen. 
Dieses Lager war von dem
Schweizer Sekundar-Lehrer (Gymnasial-Lehrer) 
Walter Angst geleitet worden. 
Der19-jährige Christian Krause hatte 1933 einen Brief an den väterlichen Freund in die Schweiz geschrieben, auf den er die im Folgenden wiedergegebene Antwort erhielt.


Info zu Joachim Krause und dem erschienenen Buch "Fremde Eltern"








Joachim Krause
Die gefundenen Briefe führten u.a. zum Buch und noch zu viel mehr...


https://www.halligsuederoog.de/geschichte-der-hallig/