Gedenkensteine in Bamberg, Kaserne 2017

Gedenkensteine in Bamberg, Kaserne 2017
immer noch unvergessen...
1943: Olt. Georgi, Chef 3. Kp.
zu dem von "Kameraden" denunziertem Benzinfahrer Becker:
"Ich gebe Ihnen einen guten Rat!
DENKEN SIE NICHT ZU LAUT!"

Damit rettete er ihm das Leben...
Dieser Satz hat zu jeder Zeit
eine tiefe Bedeutung...

Die "Bären" - Медведь - медведь танков - Sie gaben sich selbst den Namen: "Die Eberbacher"

Die "Bären" - Медведь - медведь танков - Sie gaben sich selbst den Namen: "Die Eberbacher"
(1943 Lgov) Mit dem Teddy lebt das Regiment weiter und wird seiner historischen Verantwortung gerecht - Das Panzerregiment 35 mit seinen Stabskompanien, 8 Kompanien in 2 Abteilungen, der Ersatzabteilung in Bamberg mit 6 Kompanien

Geburtstagsliste - Panzerregiment 35 1940

Die "Bären" 1943

Die "Bären" 1943
Februar 1943 Llgov - Stabskompanie

Abteilungsbefehlspanzer März 1943

Abteilungsbefehlspanzer März 1943
Lt. Heinz Burkard (⚔ 8. Jan.1944) 1943 auf dem Befehlspanzer bei Kaljakorowsk

Montag, 26. Mai 2014

13. April 45 - „Hier ist das Panzerregiment 35 Bamberg. Wir melden uns befehlsgemäß ab. Der Krieg ist für uns aus, wir kappen die Leitung“




Freitag der 13. April 1945 in Bamberg

Erzählung eines Blitzmädchens oder Fernmeldehelferin in der Oberpostdirektion Bamberg am Wilhelmsplatz während einer Unterhaltung in einem gemütlichen Weinlokal in Unterhaid. Meine Erzählerin weit über 80, topp fitt und sehr lebhaft, ich damals über 50 mit Bundeswehr Erfahrung.
Bericht:
Im Keller der Oberpostdirektion war das Fernmeldeamt der Wehrmacht untergebracht.  Wie waren ca. 50 Mädchen in Uniform und hielten den Telefonverkehr  in Bamberg mit aufrecht.Sie berichtete dass gerade sie zufällig die letzte Nachricht des Panzerregiments 35 entgegengenommen hatte.

„Hier ist das Panzerregiment 35 Bamberg. Wir melden uns befehlsgemäß ab. Der Krieg ist für uns aus, wir kappen die Leitung“

(Heil Hitler, so erinnere ich mich, hat die Stimme am Telefon nicht mehr gesagt)

Dann war Stille.Ich gab die Meldung an meine Mitstreiterinnen weiter und erntete betroffenes Schweigen.Wir wussten nicht ob der Krieg auch für uns aus war. Was in Bamberg vor sich ging, bekamen wir ja hier im Keller nicht mit. Wie saßen da ja auch schon tagelang fest.
Scheinbar waren die Amerikaner schon an oder in der Kaserne oder hatten sie erobert.
Die Beklemmung war ungeheuerlich, was wird nun, oder was wird aus uns. Die Mädchen im großen Saal flüsterten nur noch. Was sollen wir jetzt machen, nach oben gehen und nachsehen.
Plötzlich eine Unruhe, ein Aufschrei! Da stand unerwartet mit einem mal ein stattlicher, amerikanischer Offizier in der Tür, der gar nicht wie ein Krieger wirkte, so sauber und adrett in seiner Uniform. Evt. Leutnant oder Hauptmann.
In fließendem Deutsch sprach er uns an. „Meine Damen, sagte er, meine Damen der Krieg ist für sie vorbei.
Ein Raunen ging durch die Telefonabteilung.
So hatten wir das Ende des Krieges und die Eroberung durch den Feind nicht vorgestellt.
Nach einigen mahnenden Worten, die Amis hatten immer noch Angst vor evt. unverbesserliche Nazis, fragte er uns, was wir für Wünsche hätten.
Sie war seltsam, diese Frage, Wünsche, wir hatten keine Wüsche, wir waren wunschlos glücklich, es war ja der Krieg vorbei. Doch dann sagte eine von uns sehr leise, Wenn wir Milch hätten, könnten wir uns Kartoffelbrei machen, Kartoffeln haben wir gebunkert. Sie erschrak ein wenig vor dem Wort ‚gebunkert’.
Der amerikanische Offizier sagte OK. Das hörten wir zu ersten Mal, diese ‚Ok’ das gerade in unserer Zeit wie ein Geschwür  in unseren Wortschatz gekommen ist.
Der Offizier zog los.
Ich frage nach bei meiner Augenzeugin:“ Wo wollte der in Bamberg 1945 denn Milch herbekommen?“
Nun, sage sie weiter erzählend, er kam tatsächlich nach kurzer Zeit mit einer großen Kanne Milch in den Keller. Darauf stand Milchhof Bamberg, ganz einfach.
Ich dachte nach, der einzige Milchhof in Bamberg war versteckt in einer winzigen Gasse am hintern Graben. Wie wollte der Amerikaner den Milchhof so schnell finden?
Meine Erzählerin hatte meine Gedanken erraten und sie erklärte mir, freilich wusste er wo Milch zu holen war.
Der amerikanische Offizier war ja ein geborener Bamberger mit Abitur im Alten Gymnasium.

U.P.
Dazu Informationen aus dem Lexikon der Wehrmacht: Panzer Brigade von Hobe
...und Wikipedia: Cord_von_Hobe

Dank Oliver Lörscher folgen hier noch Informationen zu den letzten Tagen in Bamberg:

Ein Unterrichtsprojekt „Archivpädagogik“ in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bamberg als
Unterrichtsmodell für den Geschichtsunterricht in der 10. Jahrgangsstufe, leider ohne Jahrgang, lautet: Die Stunde Null in Bamberg . Überleben und Wiederaufbau nach dem Krieg. Auch hier wird im Zusammenhang mit der Archivforschung in der zeitlichen Aufarbeitung des Kriegsendes die Juralinie genannt.

In einer Ansprache von Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick am Palmsonntag (20. März 2005) im Bamberger Dom konnte man u. a. hören: … Die Juralinie wurde vor allem durch die Initiative des Bamberger Weihbischofs Landgraf und des Hollfelder Pfarrers Weirather verhindert...

Im Bamberger Volksblatt Nr. 52 vom 2.4.1955 findet sich eine Skizze, die die Juralinie zwischen den Festen Orten Hollfeld und Pottenstein mit einer Verlängerung nach Norden über Hollfeld hinaus zeigt, ferner 2 Verteidigungsringe um den Festen Ort Bamberg.

Albart spricht in seinem Buch „Vom Hakenkreuz zum Sternenbanner“ von der Festung Bamberg, die ein Pfeiler in Hitlers Juralinie sein sollte, einer Linie, die es nur auf dem Papier gab und in den Hirnen weniger Fanatiker, wie er schreibt. Er führt auch aus das Wächtler als Reichsverteidigungskommissar kategorisch darauf hinwies dass Bamberg und Hollfeld Hauptstützpunkte der Juralinie seien.

Sucht man im Internet so findet man etliche Foren, von Sondengängern und Hobbyhistorikern, in denen sich immer und immer wieder die Juralinie als angeblicher Fakt findet. Hitler selbst soll sie als Schutz für Bayreuth gefordert haben. Kampfkommandant von Bayreuth und Schutzbereichsführer Oberfranken war zu diesem Zeitpunkt nach seiner Ernennung am 23.03.45 Generalmajor August Hagl, der am 14.04. in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. Jedoch: die Juralinie ist eine Fiktion.

Die Fränkische Schweiz, wohl am ehesten durch die „Teufelshöhle“, einer Tropfsteinhöhle bei Pottenstein, bekannt, auf deren Höhenzügen bzw. Tälern die Verteidigungslinie laufen sollte, wurde während des Krieges nicht nur zur Ausbildung der 24. SS-Division verwendet, sondern barg auch geheime Forschungseinrichtungen und beherbergte die SS-Dienststelle „Ahnenerbe“.

Der Höhleneingang der Teufelshöhle war schon lange Zeit bekannt. Dieses Höhlenportal endete früher nach etwa 85 Metern und wurde Teufelsloch genannt. Der spätere SS-Standartenführer und Höhlenforscher Hans Brand durchbrach im Jahr 1922 eine etwa neun Meter dicke Abschlusswand und entdeckte dahinter tropfsteingeschmückte Höhlenteile, die bis August 1923 gangbar gemacht wurden, in weiteren Erschließungsmaßnahmen wurden weitere Höhlenräume erschlossen und mit Stollen verbunden, bis Pfingsten 1931 die Teufelshöhle der Öffentlichkeit zur vollständigen Besichtigung freigegeben wurde. Hans Brand, promovierter Geologe und Bergbauingenieur, war zunächst als Studienprofessor an einer Münchener Oberrealschule tätig. Sein Weg führte über den „Stahlhelmbund“ und den „Lehrerbund“ weiter zu seinem Eintritt 1935 in die NSDAP und schließlich 1939 zum Angehörigen der SS. Er war er innerhalb des SS-Ahnenerbes Leiter der Forschungen zur Karst- und Höhlenkunde. Und hier schließt sich der Kreis zwischen der Division und der Dienststelle der SS.

Am 10. Juli 1942 erließ das SS-Führungshauptamt den Befehl zur Aufstellung einer Karstwehrkompanie, die im November 1942 zum Bataillon aufgestockt wurde. Die später zur 24. Waffen- Gebirgs-(Karstjäger-)Division der SS erweiterte Einheit wurde von Oktober 1942 bis Sommer 1943 in Pottenstein unter Leitung von SS-Standartenführer Hans Brand ausgebildet. Das nach Brand`s Worten Vorhandensein eines karstwehrwissenschaftlichen Instituts mit Bibliothek, Archiv und Laboratorien in Pottenstein, hiermit meinte er wohl sein eigenes, begünstigte die Verlegung.

Wie aber war nun das Kriegsgeschehen? Am 7. März hatten US Truppen bei Remagen den Rhein überschritten, am 22/23.März setzten sie bei Oppenheim über. Am 1. April schloss sich der Ruhrkessel. Die Alliierten befanden sich überall auf dem Vormarsch im Altreich. Licht ins Dunkel der Geschichte der Juralinie bringt eine Ausarbeitung von Siegfried Pokorny, abgedruckt im Archiv für die Geschichte Oberfrankens, Band 89, 2009.

In der Nacht vom 2. auf den 3. April 1945 kamen im Pfarrhaus von Hollfeld vier Männer zusammen. Die Teilnehmer der nächtlichen Zusammenkunft waren der Bayreuther Oberbürgermeister SS-Standartenführer Dr. Fritz Kempfler, der Hollfelder Pfarrer Dekan Kurt Weirather, der Bamberger Weihbischof Dr. Landgraf und der Höhere SS- und Polizeiführer, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Dr. Benno Martin. Eigentlich, so wird sich Landgraf später erinnern, sollte die Unterredung anderer Dinge gelten. Welche das waren ist leider nicht bekannt. Er habe aber die Zusammenkunft genutzt, um sein Ersuchen vorzubringen, Bamberg und die Juralinie nicht zu verteidigen sowie die Munitionsfabriken nicht zu sprengen. Zu diesen ebenfalls später. Martin hätte zugesagt, so Landgraf, sich „energisch dafür beim zuständigen SS-Oberstgruppenführer verwenden zu wollen“. Das Treffen sei, hat Pokorny herausgefunden, von Kempfler und Martin initiiert worden. Das hat auch Weirather in einer eidesstattlichen Erklärung 1950 bestätigt. Vermutlich hofften Martin und Kempfler, dass man über Landgraf Kontakt zu den US-Streikräften herstellen könne, um den Wehrkreis XIII, zu dem auch die nördliche Fränkische Schweiz gehörte, kampflos übergeben zu können. Ein Kontakt kam aber nicht zustande.

Kunze berichtet in seinem Buch „Kriegsende in Franken u. der Kampf um Nürnberg im April 1945“ über die folgenden Tage: Am 10. April stand das amerikanische XV. Korps für den geplanten Vorstoß nach Südosten bereit. Die 106. Cavalry Group fühlte in Richtung Bamberg und Coburg vor. Am 11.04. erfolgte der Vormarschbefehl in Richtung Nürnberg. Die 3. Division rückte auf dem linken Flügel vor. Die deutsche Gegenwehr war außerordentlich gering. Hierzu aus der später veröffentlichten offiziellen Kriegsbetrachtung der Division: „Lohr, Gemunden and Bad Kissingen fell. Regiments leap-frogged forward, division CP advanced from 15 to 25 miles daily, wire communication was a luxury when obtainable. Enemy resistance stiffened. The German high command ordered fanatical "last man" stands at every town in order to give the Nazis time to prepare defenses in larger cities. The rapid push continued after the 3rd held up two days while the 42nd Inf. Div. reduced Schweinfurt. Bamberg was next. When it elected to fight, the 3rd and 45th left the town a smoking ruin. This was the last bastion before Nurnberg where the division had a mock celebration of Hitler's birthday. It was only a matter of days before Augsburg, Munich, Salzburg and Berchtesgaden belonged to the 3rd.”

Am 12. April erhielten die 3. (Maj. Gen. John W. O'Daniel) und 45.US-Infanteriedivision den Befehl, die Stadt Bamberg einzunehmen, während die 106. Cavalry Group in östlicher Richtung aufklären sollte. Aus der Geschichte der 106. Cavalry Group: “Through the winter months of December and January, the 106th was engaged in sporadic encounters with the enemy along the Rhine. It was not really until the new campaign in March that the 106th again was given an offensive mission. This time, they were sent out in advance of XV Corps through the Siegfried Line near Saarbrucken. The 106th spearheaded the advance across the Rhine, and moved through rapidly Aschaffenburg (on the Main river), Bad-Orb, Bamberg, Nurnberg, and then across the Danube and on to the autobahn to Munich. Here the 106th accepted the surrender of the 9th Hungarian Division, which comprised some 8,800 men.” Zugeordnet ist zu dieser Zeit auch das das US 601st Tank Destroyer Bat. unter dem kommandierenden Offizier William R. Harrison. Ausgerüstet ist dieser Verband mit M-36 Tank Destroyern.

In Vormarschrichtung rechts dieser Einheiten ging die 42. US-Inf.Div vor, die nach mehrtägigem Artilleriebeschuß die Stadt Schweinfurt eingenommen hatte. Noch waren am 13. April ihr 222. und 242. Regiment dabei, die Stadt zu sichern, da erreichte die Division der Befehl des XXI. US-Corps, beschleunigt in südöstlicher Richtung vorzustoßen und Fürth anzugreifen und damit das XV. US-Corps bei der Eroberung Nürnbergs zu unterstützen. Als Marschweg war die Reichsstraße 8 von Kitzingen nach Fürth vorgesehen.

Die Division überquerte den Main bei Nordheim, erreichte südöstlich von Kitzingen die heutige Bundesstraße 8, der Vormarsch erfolgte mit dem 222. Regiment links, dem 232. Regiment rechts der Straße; das 242. Regiment fungierte als Divisionsreserve. Der rechte Flügel der Division hielt Kontakt mit Einheiten der 12. US-Panzerdivision; den linken Flügel sicherte die Aufklärungsabteilung, die durch motorisierte Spähtrupps Kontakt mit dem rechten Flügel der 3. Infanteriedivision hielt.

Nordöstlich der genannten Einheiten operierten im Raum Coburg mit Stoßrichtung Südosten nach Kronach und Kulmbach, die 11. US Panzerdivision sowie die 71. US Infanteriedivision.

Dem Kampfkommandanten von Bamberg, Oberst Körner, standen nur die Reste der dort stationierten Ausbildungs- und Ersatzeinheiten (u. a. die Fahnenjunkerschule 4 Bamberg, Kommandeur ab Februar 1945 Major Johannes Teuber), eine Genesendenkompanie von etwa 200 Mann und Volkssturm zur Verfügung. Ein Schreiben vom 31.03.45, Der Befehlshaber im Wehrkreis XIII, mit dem Betreff „Kampfeinsatz des Ersatzheeres“, in dem …zur Zerschlagung eines Feindeinbruches in Franken..die sofortige Bildung von Kampftruppen.. gefordert wird, listet für Bamberg die Kav.A.Abt 20, P.L.Abt.35 sowie Kf.A.Kp.113 in Stärke von gesamt 857 Mann auf und sieht hierfür, da die Bewaffnung unzureichend war, die Zuführung von 460 Gewehren, 34 MG sowie 120 Panzerfäusten vor (Bundesarchiv-Militärarchiv, RH53-13/95). Im näheren Umkreis finden sich in Hof das Ld.Schtz.A.Btl. I/13 in Stärke von 1342 Mann, sowie in Bayreuth das Gren.E.Btl.42 in Stärke von 1310 Mann (dem lt. der Meldung 600 Gewehre, 26 MG sowie 260 Panzerfäuste zugeführt werden sollten).

Im Raum Hallstadt befand sich nach Albart ein Flak-Regiment sowie eine unbekannte ungarische Einheit. Genannt wird von ihm eine Ausstattung mit 67 französischen Beutegeschützen verschiedener Kaliber. Eine Quellenangabe hierfür gibt er nicht. Eine wirkungsvolle Verteidigung war mit den geringen Kräften kaum möglich. Es darf festgehalten werden, dass die Führung des LXXXII. Armeekorps keine Kampftruppen in die Stadt schickte und somit wesentlich zur Schonung Bambergs beitrug.

Im Raum Bamberg gab es zu diesem Zeitpunkt zwei Munitionsfabriken oder –anstalten. Eine davon in Bamberg selbst zur Versorgung der dortigen Garnison, hier war in der Zwischenkriegszeit eine Fertigung der Firma Messerschmitt untergebracht bevor der Umzug nach Augsburg/Haunstetten stattfand. Hier befand sich auch eine Art "Werksflugplatz" von Messerschmitt, der noch im Zweiten Weltkrieg als Notlandefeld ausgewiesen war. Eine weitere Munitionsanstalt befand sich in Breitengüssbach nördlich von Bamberg, die Luftwaffenmunitionsanstalt 1/XIII, zugehörig der Luftzeuggruppe 12 Wiesbaden. Gefertigt wurden dort Infanterie-, Bordwaffen-, Abwurf-, Leucht-u. Signalmunition nach folgender Quelle: BA- MA Freiburg RL 2 III/419- Freiburg. Verfügungsberechtigt in Breitengüssbach war im April 1945 allein das Militär, nach Hitlers Befehl vom 19.03.45 (Nero-Befehl) die Wehrmacht. Da das Lager aber ein Luftwaffenlager war dürfte die nicht erfolgte Sprengung wohl mehr der Kompetenzüberschreitung zuzuschreiben sein.

Am 11. April standen die US Verbände bei Hallstadt nördlich von Bamberg. Ein Angriff des 3. Bat. des 180. Inf. Rgt. zwang die ungarische Einheit und die Flak zum zurückgehen.

Am Nachmittag des 13. April griff das 180. Inf.Rgt. (Commanding Officer: Lt. Col. Everett W. Duvall) der 45. US-Inf.Div. von Hallstadt aus die Stadt an, während Teile des 15. Inf.Rgts. der 3. US-Infanteriedivision von Bischberg und Gaustadt her in die Stadt eindrangen. Der kaum ausgerüstete Volkssturm war in Auflösung begriffen; die Kreisleitung unter Kreisleiter Zahneisen hatte sich nach Süden abgesetzt und der Kampfkommandant verließ ebenfalls die Stadt und setzte sich in Zivilkleidung nach Merkendorf zu seiner Familie ab, wo er später gefasst und interniert wurde. Lediglich einige in den Kasernen zurückgebliebene Gruppen leisteten dort und in der Stadt Widerstand. Bamberg wurde mit Artillerie und Panzern beschossen. Nach kurzen Gefechten gelang es dem kommissarischen Oberbürgermeister Dr. Böhm, die Stadt den Amerikanern förmlich zu übergeben. Den letzten Widerstand im Stadtzentrum brachen die US Army am Morgen des 14. April. In der Nacht vom 13. Auf den 14.4. wird ein einzelner Bombenangriff auf Stellungen des 15. Rgts. dokumentiert. Es soll sich dabei um einen Jagdbomber der Luftwaffe gehandelt haben. Nach Bildern der US-Division wurde bei den Kämpfen auch ein Panzerkampfwagen V Panther Ausf. D in der Zollnerstraße zerstört, in unmittelbarer Nähe der Panzerkaserne. In dieser war das Panzerregiment 35 der 4. Panzerdivision der Wehrmacht beheimatet, vermutlich handelte es sich um einen Trainingspanzer. Insgesamt sollen sich noch 10 Panzer in der Kaserne befunden haben, die unter Spritmangel litten. In Bamberg wurden etwa 1000 Soldaten gefangen genommen.

Noch während der Kämpfe in der Stadt Bamberg stießen die verbliebenen Teile der beiden Divisionen in breiter Front nach Süden bzw. Südosten vor. Das 157. und das 159. Regiment der 45. US-Division umgingen Bamberg im Norden und erreichten mit auf Panzern aufgesessener Infanterie die Wiesent bei Ebermannstadt. Dieser Vorstoß kam für die deutsche Führung überraschend. Der Gefechtsstand des LXXXII. A.K., der erst am 13. April 1945 von Geisfeld nach Streitberg verlegt worden war, mußte in aller Eile am Nachmittag des 14. April nach Thuisbrunn und am folgenden Tag weiter nach Kirchensittenbach verlegt werden.

Die Brücken über die Wiesent wurden unzerstört festgestellt, so dass amerikanische Verbände sofort am Südufer einen Brückenkopf errichten konnten. In der Nacht allerdings wurden die Amerikaner durch einen schwachen deutschen Gegenstoß wieder auf das Nordufer zurückgedrängt. Ein von Panzern unterstützter Gegenangriff am nächsten Morgen traf auf keinen Widerstand. Im Laufe des 15. April stieß die Division trotz weiterer Gegenwehr weiter nach Süden vor.

Am 16. April 1945 besetzen, nachdem am Tag zuvor die letzten SS-Soldaten, die der dortigen Ausbildungsstätte angehörten, aus Pottenstein abgezogen waren, amerikanische Panzer Pottenstein. Damit war ein Großteil der Fränkischen Schweiz von der US Armee besetzt.

Die 45. US-Inf.Div. war auf ihrem gesamten Weg vom Main zur Pegnitz auf keinen ernsthaften Widerstand gestoßen. Sie war den abgekämpften Divisionen des LXXXII A.K., welches im Bereich Bamberg operierte und bis zum 15.04. von General Walther Hahm kommandiert wurde, gefolgt, die aus der 36. VGD (Gen.Maj.Helmut Kleikamp) und der 416. Inf.Div (Gen.Lt. Kurt Pflieger) bestanden – die 256. VGD (Gen.Maj. Gerhard Franz) war bereits vor dem 10.04. in den Haßbergen untergegangen. In der offiziellen Meldung der Heeresgruppe G ist dem Armeekorps noch die 21. Flak-Division zugeordnet. So konnte das Armeekorps weder Lauf verteidigen noch an der Pegnitz eine neue Widerstandslinie errichten, sondern mußte weiter nach Süden ausweichen, zumal der Vorstoß der 14. US-Pz.Div. mit einem Angriff in die linke ungeschützte Flanke oder sogar mit einer Umfassung drohte.

Nordöstlich davon erreichte am 13.4.45 die 11. US-Panzerdivision in Verbund mit der 71. US-Infanteriedivision Kulmbach. Angriffsspitze bildete das 55th Armored Infantry Bat. der 11. Panzerdivision, der Einmarsch erfolgte nach den AA-Reports um 11.47 Uhr. Kampfkommandant von Kulmbach war Oberstleutnant Kurt Myrus, diesen zur Seite standen lt. dem Buch von Zeitler „Neubeginn in Oberfranken“ als Führer des Volkssturms Oberst d. R. Konrad Hofmann sowie SS-Offiziere aus Bayreuth sowie der Kreisleiter, SS-Oberführer Fritz Schuberth. Neben Volkssturm und HJ-Einheiten standen nur Wehrkreisbedienstete und Genesende zur Verfügung, die Gesamtzahl wird auf etwa 1000 Mann geschätzt. Im Verlauf des Einmarsches kam es zu Schusswechseln mit auf der Plassenburg stehenden dt. Soldaten. Um 18. Uhr war die Säuberung Kulmbachs lt. Reports durchgeführt, der letzte Widerstand gebrochen. Während sich das CCB des 22nd Tank Bat. sowie die Kompanie A der 41st Cav. Rec. Squadron imVerbund mit dem CCA des 705th Tank Destroyer Bat. Richtung Untersteinach – Stadtsteinach – Himmelkron vorkämpften wurde vom Rest der Vormarsch Richtung Bayreuth weitergeführt, wobei die Spitzen gegen 18.00 Uhr Neudrossenfeld erreichten. Der Vormarsch erfolgte hier etwa entlang der jetzigen Bundesstraße 85. Zu dieser Zeit standen die Panzerspitzen der von Bamberg vorgehenden Einheiten im Bereich Behringersmühle in der Fränkischen Schweiz.

Dienstag, den 17. April 1945 – das OKW gibt bekannt: ... Die auf breiter Front zwischen
Bayreuth und Heilbronn angreifende 7. amerik. Armee konnte auf ihrem linken Flügel aus
der Fränkischen Schweiz bis in den Raum von Lauf und Erlangen vorstoßen. In den übrigen
Abschnitten kamen die feindlichen Divisionen durch ihre Standfestigkeit und die fortgesetzten
Gegenstöße unserer Grenadiere nur wenig über ihre Ausgangsstellen hinaus. ...

Stichpunktartie Lagebeschreibung aus dem Kriegstagebuch des OKW:
14.4.45 - ... H Gr G ... Verschärfung an der Südfront. Der Gegner steht jetzt 12 km vor
Bayreuth. Über den Einsatz der 189. Inf-Div und der 17. SS-Div liegen noch keine Meldungen vor, ebenso über die Lage im Raum Schweinfurt, wo die 1. (US-)Armee bis nach Heilbronn vorkam.
15.4.45 - ... H Gr G: Südlich von Leipzig hat sich die Lage verschärft. ... Von Hof aus
Vorstöße auf Hirschberg. Bayreuth ging verloren. Südlich Bamberg drang der Feind weiter
vor bis Heilbronn. ...
16.4.45 - ... H Gr G: Feindl. Vorstöße auf Nürnberg. ...

Aber zurück. Eine Anweisung Hitlers für die Juralinie ist nicht belegt, sie findet sich weder in Hitlers Weisungen für die Kriegsführung, nicht im Kriegstagebuch des OK der Wehrmacht noch in den Geheimen Tagesberichten der dt. Wehrmachtsführung. Das Militärgeschichtliche Forschungsamt Potsdam bezeichnet die Juralinie als rein fiktiv. Auch in den Memoiren von Generalfeldmarschall Kesselring, OB West zu diesem Zeitpunkt, findet sich eine Juraverteidigungslinie nicht.

Dr. Martin führt in dem 1950 gegen ihn geführten Spruchkammerverfahren aus dass als Ergebnis seiner Intervention Bamberg kampflos übergeben worden ist. Dass dies nicht zutrifft beweisen die Ereignisse vom 13. und 14. April 1945.

Eine Notiz des Forchheimer Stadtpfarrers Sextl von 1945, gefertigt nach einem Gespräch mit Dr. Martin, gibt an dass laut Hitlers Befehl, der nicht nachweisbar ist, die Verteidigung von Bamberg durch kampfstarke SS-Einheiten erfolgen sollte, wobei ein lettisches SS-Bataillon die Verteidigung der Juralinie übernehmen sollte. Es gab jedoch zu diesem Zeitpunkt im Raum Bamberg gar keine geschlossenen SS-Verbände. Dem LXXXII. AK waren keine SS-Einheiten unterstellt, die lettischen SS-Verbände - die 19. Waffen-Grenadier-Division der SS (Lettische Nr. 2) wurde im Mai 1945 im Baltikum vernichtet, die 15. SS-Division (Lettische Nr. 1) ging im Mai 1945 in russische Gefangenschaft - befanden sich nie in der Bamberger Gegend, eine Verlegung war nicht geplant. Infrage gekommen wäre dafür nur das XIII. SS-Armeekorps, dieses befand sich unter SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Max Simon im westlichen Mittelfranken und zog sich Richtung Nürnberg zurück. Am 14.04. z. b. war der Gefechtsstand in Lichtenau zwischen Ansbach und Nürnberg. Nachgewiesen sind im Raum Bamberg das SS-Panzergrenadier-Bat. 506, Teil der 6. SS-Division, in Stärke von ca. 2 Kompanien. Diese Reste bildeten in der Nacht 13.04/14.04. im Raum Bamberg eine Abwehrstellung mit Front nach Norden und Nordwesten und zogen sich am 14.04. weiter in Richtung Süden zurück.

Die auf Landgraf beruhende Aussage, Dr. Martin habe zugesichert sich bei dem zuständigen SS-Oberstgruppenführer energisch für einen Verzicht der Verteidigung Bambergs sowie der Juralinie einzusetzen, sowie die angeblich vom 11.4. stammende Mitteilung Dr. Martins an ihn, dass Bamberg und die Juralinie nicht verteidigt werden würden, darf ebenfalls in den Bereich der Fiktion verschoben werden. Albart berichtet hierzu ähnlich. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Süddeutschland nur einen einzigen SS-Oberstgruppenführer, nämlich Paul Hauser. Dieser wurde jedoch von Hitler bereits am 2.4. vom Oberbefehl der Heeresgruppe G abgelöst und am 4.4. durch General Friedrich Schulz ersetzt, eine Kontaktaufnahme hätte erst nach dem 2.4. erfolgen können, und da war Hauser bereits abgesetzt. Am 11.4. war Hauser definitiv ohne Einfluss.

Dirk.R.
11.06.2011, 22:23
http://www.historisches-forum-bayern.de/userfiles/Archiv_und_Schule/bamberg_stunde_null_01_konzeption.pdf
Hans_L
13.06.2011, 11:39
zu dem Themenkomplex gibt es auch eine sehr gut fundierte Arbeit von Siegfried Pokorny
(im Archiv für Geschichte von Oberfranken, Band 89) welcher die Einlassungen von Martin ins Märchenreich verweist.
Seinen Kopf konnte er trotzdem retten, vor allem durch positive Stellungnahmen aus dem Bereich der Kirche (!) welche ihm ja manchmal schon fast den Status eines Widerstandskämpfers andichteten.

leider kein direkter Link auf den Band, Jahrbücher 2009, Band 89
http://www.hvo.franken.org/wir_ueber_uns_1.html

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