Gedenkensteine in Bamberg, Kaserne 2017

Gedenkensteine in Bamberg, Kaserne 2017
immer noch unvergessen...
1943: Olt. Georgi, Chef 3. Kp.
zu dem von "Kameraden" denunziertem Benzinfahrer Becker:
"Ich gebe Ihnen einen guten Rat!
DENKEN SIE NICHT ZU LAUT!"

Damit rettete er ihm das Leben...
Dieser Satz hat zu jeder Zeit
eine tiefe Bedeutung...

Die "Bären" - Медведь - медведь танков - Sie gaben sich selbst den Namen: "Die Eberbacher"

Die "Bären" - Медведь - медведь танков - Sie gaben sich selbst den Namen: "Die Eberbacher"
(1943 Lgov) Mit dem Teddy lebt das Regiment weiter und wird seiner historischen Verantwortung gerecht - Das Panzerregiment 35 mit seinen Stabskompanien, 8 Kompanien in 2 Abteilungen, der Ersatzabteilung in Bamberg mit 6 Kompanien

Geburtstagsliste - Panzerregiment 35 1940

Die "Bären" 1943

Die "Bären" 1943
Februar 1943 Llgov - Stabskompanie

Abteilungsbefehlspanzer März 1943

Abteilungsbefehlspanzer März 1943
Lt. Heinz Burkard (⚔ 8. Jan.1944) 1943 auf dem Befehlspanzer bei Kaljakorowsk

Freitag, 23. Januar 2015

- Das Regiment hat sich zur Ruhe begeben -

Ich hatte diese Woche eine der tiefgehendsten Berührungen, im Namen des Regimentes, dessen Repräsentanz ich auf mich genommen hatte.

Das Kamerateam von tele aviv productions ltd. am Hauptmarkt
Einem aus Israel angereistem Kamerateam musste ich Rede und Antwort stehen. Aus Pietätsgründen habe ich während dieser Zeit meine geführten Blog abgeschaltet,
habe aber wieder die Webseite www.panzerregiment35.de mit einer kurzen Schilderung der bewegenden Momente aktiviert. Das Team -  tele aviv productions ltd. - das für ARD, Arte, 3SAT,  etc. tätig ist, begleitet Dr. Bernd Wollschlaeger auf seiner ersten in deutsch gehaltenen Vortragsreihe durch unser Land.

Ich musste auch zur Kenntnis nehmen, dass Menschen in Israel mit dem Hintergrund der "Shoa" meine Aktivitäten, meinen Blog, die Seite des Panzerregimentes 35 vollkommen anders wahrnehmen, als ich es mir bisher vorgestellt hatte.

Ich muss zugeben, dass ich entsetzt und erschüttert war.
Ich arbeitete die ganzen vergangenen Jahre immer im guten Glauben, nur der Wahrheit verpflichtet zu sein und meine Einstellung zu der Zeit des Nationalsozialismus genügend zum Ausdruck gebracht zu haben. Dass es ein Ritt auf der sprichwörtlichen Rasierklinge war, wusste ich immer. Meine Motivation waren die Schicksale der Gefallenen und Vermissten. Die teilweise dramatischen Erlebnisse mit Hilmar Ludwig und das Schicksal seines Vaters und die Suche mit Gerd Georgi, Peter Weber, um nur einige zu nennen, bestätigten mich auf meinem Weg und machten mein Vertrauen in die objektive Wahrnehmungsfähigkeit anderer Menschen unerschütterlich. Als gewissermassen als Schlüssel- und Endpunkt auch noch die Reste der Thora auftauchten, um deren Bestand und Weiterleitung ich Jahre gerungen hatte war ich mir sicher, eine Aufgabe erfüllen zu müssen, die schicksalshaft und einmalig in der Geschichte zumindest für dieses "unser" Panzerregiment 35 war.

Der Leiter des Kamerateams sagte zu mir, dass ich es nicht genügend zum Ausdruck gebracht hätte, was ich mit dem Blog ausdrücken wollte. Ich war hilflos, denn sich überhaupt mit dem Thema zu befassen ist ein Widerspruch an sich und vorsichtige Menschen lassen die Finger von diesem Thema und begeben sich nicht einmal in die Nähe dieser, so oft fehlinterpretierten Geschichte.

Nachdem ich in all den Jahren nie eine negative Zuschrift erhalten hatte, sondern im Gegenteil oft aus allen Ländern der einstigen Gegner ermutigt wurde, das aufzuschreiben, was nicht in den Panzernachrichten stand, den Menschen einen Teil ihrer Geschichte zurückzugeben, dachte ich mit dem dubiosen Amt auch das feine Gespür für den richtigen Weg bekommen zu haben.

Ich fuhr Mittwoch abend nach Bamberg und besuchte den ersten in Deutschland gehaltenen Vortrag von Dr. Bernd Wollschlaeger. Die Blogseiten hatte ich zwei Tage zuvor abgeschaltet, nachdem ich das israelische Kamerateam durch Nürnberg und über die Propagandastätten des Rechsparteitagsgeländes geführt hatte.

Dr. Bernd Wollschlaeger mit Kamerateam tele aviv productions ltd.
Bernd Wollschlaeger ist ein begnadeter Redner und schilderte seine Lebensgeschichte mit all den Zerwürfnissen auf eindrucksvolle Weise. Die Verflechtungen und Berührungspunkte erschienen gespentisch, denn es handelte sich nicht um irgendeinen Vater. Es war Major Artur Wollschlaeger. Welch ein Name! Kein Veteraneninterview, wo nicht sein Name genannt wurde. Beinahe ehrfürchtig, einem Kriegsgott gleich. Kampfgruppe Wollschlaeger, Winter 41, Ritterkreuzträger, Briansk, jüngster Abteilungskommandeur, einer der geliebten "Jungs" von General Heinrich Eberbach.

Es war geradezu abstrakt und undenkbar, dass uns unsere Wege zueinanderführen sollten. Uns trennten alle nur denkbaren Welten. Nicht nur geographisch. Israel, Florida, die Thorareste in Hellmitzheim beim I-Staffelführer der 3. Kompanie.

Nicht nur die Reste der als heilig angesehenen Thora sind aber hier mein Thema, sondern die Notwendigkeit alles aufzuschreiben, was das Regiment betrifft. Die Auffindung der Thora sind eben dieser Arbeit zu verdanken und ohne diese Arbeit wären auch nicht die Reste der Thora gefunden worden! Ohne diese gemeinsame Arbeit, die sich mit so vielen anderen Begebenheiten und Menschen zu einem Ereignis verflechtet, wäre das Eine nicht ohne das Andere möglich.

Es geht mir jetzt um die Beziehung von Vater und Sohn.
Gerd Georgi suchte mit großer Mühe und Hingabe die Spuren seines Vaters, der in Ssamodurowka/ Teploje 1943 gefallen war, als der kleine Gerd drei Jahre alt war. Olt.Gerhard Georgi, Chef 3. Kp. Er brachte mich im Zuge seiner Nachforschungen zu Karl Schneider, letztlich auf die Spur der Thora...
Hilmar Ludwig vermisste Zeit seines Lebens den Vater, den er nie hatte sehen können.
Peter Weber suchte die Spuren seines verstorbenen Vaters...
Bernd Haase suchte den Großvater Friedrich Haase ...
Axel Schröder den Mann mit der Gitarre... Günter Schröder
und viele andere mehr...

Nun sass ich an diesem Mittwoch in Bamberg in der ersten Reihe und hörte wie ein Sohn den Vater wahrnahm und wie er sich durch den Vater und dessen Geschichte und dessen Verhältnis zum Dritten Reich radikal veränderte und zum Judentum konvertierte. Artur Wollschlaeger veränderte seinen Sohn durch seine Persönlichkeit, während einige Reihen weiter hinten Hilmar Ludwig sass und froh gewesen wäre, hätte er seinen Vater jemals gesehen, oder einen Vater als Partner, Helfer und Stütze im Leben gehabt. Friedrich Ludwig starb 1943 auf dem Marsch nach Sseredina Buda, als sein Sohn Hilmar gerade geboren war. Für Hilmar brach eine sehr schwere Zeit an, da er vom neuen Vater nicht in der Weise angenommen wurde, wie es notwendig gewesen wäre. Er durchlebte auch eine Zeit des Martyriums.

Über all diese so nahe gehenden Geschichten habe ich in der Vergangenheit nicht wahrgenommen, dass in Israel Menschen, Nachkommen leben, die ganz ähnliche Schicksale und noch weit, weit Schlimmeres erlebt hatten. Für diese Menschen gibt es hauptsächlich Täter und Opfer. Sie haben nicht getrennt, sondern verwalten schweren Herzens ihr eigenes Grauen, in dem Ritterkreuzträger, Panzerregimenter, pflichttreue Soldaten, Befehlsnotstand, unsere Art mit der Vergangenheit zu leben, nur schwerlich mit dem eigenen Schicksal zu vereinbaren sind. Die Lösung werden wir nicht durch Historiker erfahren und schon gar nicht von Politikern. Neurowissenschaftler dringen in unsere Psyche ein und erforschen Dinge, an die wir höchstens im Traume dachten. Eines Tages werden sie uns sagen, warum wir so sind wie wir sind. Diese gespaltenen Wesen, die Schiller und Goethe, Kant und Mozart hervorbrachten und auch den Bürokraten, der zum Massenmörder avancierte und einen Moment später, treusorgender Familienvater war.

Bernd Wollschlaeger bleibt unglaublich weise und verständnisvoll, wie ich es nie zu erhoffen geglaubt hätte und weist einen Weg aus diesem, so unlösbar scheinendem Dilemma auf:

                           - Verzeihen und Vergeben - Aussöhnung -

Ich kann nur hoffen, dass uns ein Rest an Würde und bleibt und gestattet wird. Ein Rest an Würde und Militärgeschichte auch für unsere Soldaten, die ohne Historie, ohne Geschichte sich wie entwurzelte Söldner fühlen müssen. Was bleibt einem einfachen Soldaten, dem die Beine weggeschossen wurden, oder der als Invalide überleben muss? Mancher General ließ sich in Zivilklamotten ausfliegen, während sich der einfache Soldat einer langer Gefangenschaft beugen musste, oder die letzte Patrone für sich reservierte...

Aus diesem Grunde werde ich den Blog des Panzerregimentes nur noch einmal aktivieren - und dann trotzdem beenden. Ich werde mich bemühen nur zu wichtigen familiären Nachforschungen, oder zur offensichtlichen Friedensarbeit hier tätig zu werden.

                         - Das Regiment hat sich zur Ruhe begeben -

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